5 Der Schrottplatz

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Was die Fabrik nebenan ausspuckt, landet früher oder später hier. KI-generierter Inhalt ohne Substanz – sogenannter „AI Slop“ – überschwemmt das Internet mit Texten, die nichts sagen, Bildern, die nichts bedeuten, und Webseiten, die nur existieren, um Klicks zu sammeln. Laut dem Bad Bot Report 2026 stammen bereits über 53 % des gesamten Internettraffics nicht mehr von echten Menschen. Die Stadt wird immer voller – und immer leerer zugleich.


Der Müll der Massenproduktion

Mit generativer KI ist es kinderleicht geworden, in Sekunden Texte, Bilder oder Videos zu erzeugen. Ein paar Klicks, ein netter Prompt, fertig. Diese einfache Zugänglichkeit ermöglicht es, Inhalte in Massen zu produzieren, für die ein Mensch allein Wochen oder Monate bräuchte. Solche Medien minderer Qualität nennt man AI-Slop, abgeleitet vom englischen slop: Schmutzwasser.

Und der Schrottplatz wächst im Sekundentakt. Kein Medium bleibt verschont: Bilder und Videos fluten die sozialen Medien auf der Jagd nach schnellen Interaktionen, endlose YouTube-Kanäle generieren täglich Videos mit Falschaussagen, und KI-Songs schaffen es in die Spotify-Charts, ohne als solche gekennzeichnet zu sein.

Wenn niemand mehr selbst schreibt

Die Zahlen sind erschreckend. Die Erkennungssoftware Originality.ai stufte im Jahr 2025 53,7 Prozent aller längeren LinkedIn-Beiträge als KI-generiert ein. Und wahrscheinlich wurden 77 Prozent aller Bücher, die im Herbst 2025 auf Amazon in der Unterkategorie Erfolg erschienen sind, mit KI erstellt. Viele Menschen machen sich schlicht nicht mehr die Mühe, selbst zu schreiben, und der Schrottplatz nimmt alles auf.

Das Buch, das es nie gab

Wie real das Problem ist, zeigte sich bei der Recherche zu dieser Arbeit. Eine KI-Suchmaschine empfahl das E-Book „The Dead Internet Theory" von Nick Razer. In seriösen Bibliothekskatalogen: nicht zu finden. Stattdessen führte die Spur zu einem Verlag, der zahlreiche skurrile E-Books von fiktiven Autor:innen mit KI-generierten Covern anbietet, ohne jeden Hinweis auf KI. Eine KI empfahl also ein Buch, das eine andere KI erfunden hatte.

Die Maschine füttert sich selbst

Dieses Phänomen hat einen Namen: KI-Feedback-Loops oder synthetische Datenkontamination. Eine KI greift auf Daten zu, die selbst von einer KI generiert und veröffentlicht wurden. Der Schrottplatz liefert damit das Rohmaterial für die Fabrik nebenan, und die produziert daraus neuen Schrott. Ein Kreislauf, aus dem das Echte langsam verschwindet.

Epistemische Verschmutzung

Die Masse an minderwertigen Inhalten führt zu dem, was man epistemische Verschmutzung nennen kann: Es wird immer mehr produziert und dabei immer weniger auf verlässliche Information gesetzt. Wenn zu viel generiert wird, fällt es schwer, echte von unechten Inhalten zu unterscheiden, und das Internet verliert seinen Ruf als verlässliche Informationsquelle.

Voller und leerer zugleich

Das ist das Paradox des Schrottplatzes: Netropolis war noch nie so voll, und trotzdem fühlt sie sich leerer an als je zuvor. Denn Masse ist nicht Substanz. Inhalte ohne Absender, ohne Absicht und ohne Seele füllen die Straßen, aber sie bedeuten niemandem etwas.

Qualität wiedererkennen

Gegen den Schrott hilft vor allem eins: bewusst konsumieren. Wer Inhalte von echten Menschen findet, sollte sie unterstützen, teilen und honorieren. Denn je mehr der Schrottplatz wächst, desto wertvoller wird das, was Hand und Herz erkennen lassen.